Praxistest Grafikrechner

Casio FX 1.0 Plus

Technische Ausführung und Bedienkonzept

Eingeführt wurde der Casio FX 1.0 im Jahr 2003 als CAS-freies Pendant zum Algebra FX 2.0 Plus, ist äußerlich baugleich zu diesem und entsprechend ordentlich verarbeitet. Die Tastatur ist angenehm in der Bedienung und wirkt sehr übersichtlich, das Display ist von guter Qualität. Trotzdem hatte dieser GTR nur eine kurze Lebensdauer, denn bereits im Sommer 2006 ließ Casio diesen gelungenen GTR ohne Nachfolger auslaufen.

Das Bedienkonzept des FX 1.0 Plus ist wie das des FX-9750G Plus konsequent menüorientiert. Nach dem Einschalten erscheint stets ein Auswahlmenü auf dem Display, aus dem man mittels Cursor-Tasten oder per Direkteingabe einer Ziffer den gewünschten Modus auswählt. Auch auf den untergeordneten Ebenen wird dieses Konzept umgesetzt, so dass man selten auf der Tastatur nach einer passenden Taste suchen muss, weil alle in Frage kommenden Optionen in der Fußzeile des Displays eingeblendet und mittels der darunter befindlichen Taste ausgewählt werden können. Das erlaubt eine in hohem Maße intuitive Bedienung und konfrontiert einen nur selten mit unerwarteten Fehlermeldungen. Sehr hilfreich gerade für Schüler: Der Taschenrechner hat eine Sprachanpassung und lässt sich auf "Deutsch" einstellen, so dass viele Bezeichnungen in den Auswahlmenüs oder bei Überschriften in deutscher Sprache erscheinen.

Rechenmodus

Im normalen Rechenmodus verhält sich der FX 1.0 Plus wie ein normaler WTR. Er verfügt über die übliche Bruchrechentaste, mit der sich sowohl Brüche als auch gemischte Zahlen eingeben lassen, und zeigt Brüche in der gewohnten (schlechten) a⌟b-Notation an. Ergebnisse von Bruchrechnungen können per Tastendruck in eine gemischte Zahl, einen unechten Bruch oder einen Dezimalbruch umgewandelt werden. Auch die Umwandlung von Dezimalbrüchen in eine Bruchzahl ist in vielen Fällen möglich. Erfreulich auch: Wird ein Bruch mit der [x²]-Taste quadriert, wird das Ergebnis wieder als Bruchzahl dargestellt. Gleiches gilt auch für die [^]-Taste. Bei der Quadratwurzel-Taste werden nicht-ganzzahlige Ergebnisse zwar grundsätzlich als Dezimalbruch angezeigt, die meisten rationalen Werte können aber mittels Tastendruck als Bruch dargestellt werden. Überhaupt funktioniert der Algorithmus, der Dezimalzahlen in Brüche umwandelt, beim FX 1.0 Plus besser als bei den meisten anderen GTR.

Ebenfalls vorbildlich realisiert ist das Multi-Line-Playback: Mittels der "Cursor hoch"-Taste lassen sich (fast) beliebig viele Eingaben wieder aufrufen, editieren und erneut ausführen. Dadurch bietet er die Möglichkeit, rekursive Algorithmen - etwa zur Approximation von Pi oder zur Bestimmung von Nullstellen - auch ohne Programmierung zu realisieren.

Funktionenplotter

Der Funktionenplotter hebt sich in einigen Kleinigkeiten positiv von den Konkurrenten ab. So kann beispielsweise im Trace-Modus ein Punkt des Graphen auch direkt angesprungen werden, indem man den x-Wert über den Ziffern-Block eingibt und mit [Enter] bestätigt - der Cursor springt dann an die gewünschte Stelle. Weiterhin kann man bei den Einstellungen für den sichtbaren Bereich auch die Schrittweite für die Trace-Funktion angeben (das beeinflusst allerdings das zuvor eingestellte Intervall für die x-Werte), so dass man z.B. in Zehntel-Schritten den Graphen ablaufen kann. Die oben beschriebene Direkteingabe einer Stelle ist auch möglich, wenn man eine Tangente an einen Graphen in einem bestimmen Punkt ergänzen möchte. Im übrigen wird beim FX 1.0 dann nicht nur die Tangente, sondern auch die Tangentengleichung mit eingeblendet! Der FX 1.0 Plus kann im Rahmen der graphisch-numerischen Berechnung auch bestimmte Integrale berechnen. Die Grenzen können entweder im Trace-Modus durch Setzen des Cursors festgelegt oder mittels Direkteingabe (s.o.) eingegeben werden. Die entsprechende Ordinatenfläche wird dann schattiert und der Wert des bestimmten Integrals angezeigt.

Neben dem normalen Funktionenplotter bietet der FX 1.0 Plus zusätzlich die Möglichkeit, Funktionenscharen als Animation anzuzeigen. Dabei wird der Scharparameter in einem beliebig festzulegenden Intervall und beliebig festzulegenden (äquidistanten) Schritten durchlaufen und die dabei entstehenden Graphen werden nach einander angezeigt. Der Ablauf kann in drei unterschiedlichen Geschwindigkeiten automatisiert oder die einzelnen Graphen per Tastendruck nach einander angezeigt werden; Funktionsgleichung und Wert des Parameters werden dabei mit eingeblendet.

Gleichungslöser

Beim Lösen von Gleichungen ist der FX 1.0 Plus im wesentlichen identisch mit dem FX-9750G Plus, allerdings ist er nicht auf quadratische und kubische Gleichungen beschränkt: Es können Gleichungen bis 30. Grades gelöst werden. Erfreulich ist auch, dass beim Lösen von quadratischen Gleichungen rationale Ergebnisse als Brüche dargestellt werden können.

Anmerkung (2013): Der Gleichungslöser kann nur eindeutig lösbare LGS lösen. Da der FX 1.0 Plus nicht über die Funktion rref() verfügt, die ein LGS in Matrizenform in normierte Diagonalform überführen und so auch nicht oder nicht eindeutig lösbare LGS lösen kann, werden die Anforderungen "NRW 2014" nicht erfüllt.

Statistik

Über die statistischen Funktionen hinaus bietet der FX 1.0 Plus zahlreiche stochastische Verteilungen und Tests.

Sonstiges

Weitere Besonderheiten sind die Möglichkeit, Kegelschnitte (u.a. Parabeln, Kreise, Ellipsen) graphisch darzustellen, mittels "Trace" abzufahren und einige besondere Punkte (z.B. Brennpunkt einer Parabel) angezeigt und berechnet zu bekommen, die Möglichkeit rekursive Folgen erzeugen und graphisch darstellen zu lassen, sowie eine Applikation mit umfangreichen finanzmathematischen Funktionen, die für den schulischen Einsatz aber wenig interessant sein dürften. Interessanter könnten hingegen die Möglichkeiten zum Lösen und zur graphischen Darstellung von Differentialgleichungen verschiedener Grundtypen sein.